Moncho Reboiras - Antifaschist, Gewerkschafter und galizischer Freiheitskämpfer

Am 12. August wird jährlich von der UPG [Unión do Povo Galego – Galizische Volksunion] einer ihrer bedeutesten Genossen mit einer Demonstration und einer Gedenkfeier auf dem Friedhof der Gemeinde Imo im Concello de Dodro gewürdigt - Xosé Ramón Reboiras Noia, genannt Moncho Reboiras.

Moncho Reboiras wurde in der Gemeinde Dodro in der Provinz A Coruña am 19. Januer 1950 in eine Familie mit ärmlichen Verhältnissen geboren. Auf der Suche nach besseren Lebensbedingungen zog die Familie nach Vigo, wo sein Vater Arbeit fand. Moncho Reboiras macht dort sein Abitur und bediente während dieser Zeit in der familieneigenen Bar, dies aus Ersparnissen eröffnet werden konnte.
Als Reaktion auf den Francoismus regt sich in Moncho bald ein politisches Bewusstsein, Besorgnis bereitet ihm vor allem das niedrige Lebensniveau in der Region, die Ausbeutung der ArbeiterInnen und der sprachliche Konflikt: Während zu Zeiten der Zweiten Republik Gallego [die galizische Sprache] in einem Autonomiestatut zur offiziellen Sprache erklärt, wurde, war ihr Gebrauch während der Franco-Diktatur [wie alle anderen Nicht-Castellano-Sprachen] verboten.

Nach dem Abitur schrieb er sich an der Escola Técnica de Enxeñaría Industrial [technische Hochschule] in Vigo ein. Aktiv in der Studentenbewegung unterstützte er die Forderungen gemeinsam mit seinen KomolitonInnen und war einer der Mitbegründer des Magazin „Des ... tornillol“, welches eine wichtige Rolle in der Förderung der linken nationalistischen Bewegung einnahm. Moncho sah sich als ein Verteidiger der Kultur und der Interessen des galizischen Volkes und Teil der „O Castro“, die sich - unter Berücksichtigung der damaligen Grenzen - mit dem nationalen Schwierigkeiten Galiziens befasste. 1969 tritt Moncho Reboiras der UPG bei.


Am Ende des Kurses und im Rahmen seiner studentischen Spezialisierungsarbeit über Astillero Barreras (Barreras Werft) entstehen Beziehungen zur arbeitenden Bevölkerung. Auf der Grundlage seiner persönlichen Erfahrung über die kapitalistische Ausbeutung beschreitet Monchos immer mehr den Weg als Vertreter der Rechte der Arbeiterklasse. Seine Studien befassen sich mit den von den Arbeitgebern angewandten Mechanismen der Unterdrückung der abhängig Beschäftigten. In dieser Zeit, 1972 , findet der "Septemberstreik" statt und Moncho spielt eine wichtige Rolle als Organisator. Seine tragende Rolle bei diesem Arbeitskampf zwingt ihn, die Uni zu verlassen, da sein Stipendium gestrichen wird - er befindet fortan im politischen Kampf. Zunächst arbeitet er Vigo, muss die Beschäftigung auf Gund von gesundheitlichen Schwierigkeiten aufgeben, da er wegen einer Lungenerkrankung operiert wird und die Fabrikumgebung schädlich für ihn ist. Er zieht nach Ferrol, wo er Arbeit findet, bevor sein Weg nach A Coruña weiterführt, wo er als Arbeiter in den Fabrikkomplex von Intelsa beschäftigt wird. Moncho organisierte zu dieser Zeit im Auftrag der UPG „Fronte Cultural Galega [galizische Kulturfront], die zu dieser Zeit maßgeblich für die damalige Kulturflandschaft Galiziens verantwortlich war. Zum ersten Mal gab es eine wirksame Koordinierung zwischen den meisten Kulturverbänden Galiziens mit der Kulturfront als Medienorgan.


Zu dieser Zeit, 1973/1974, war er einer der Organisatoren der Gewerkschaftsgruppen - der Arbeiterversammlungen. Bei den Gewerkschaftswahlen 1974 war er Teil der Boycott-Bewegung gegen Sindicato Vertical [die Gewerkschaft des Franco-Faschismus], woraus sich schliesslich die SOG [Sindicato Obreiro Galego - Galizische Arbeitergewerkschaft] gründete. SOG sollte später mit der bereits existierenden UTEG [Unión de Traballadores do Ensino de Galicia - Gewerkschaft der Arbeiter der galizischen Bildung] zur Intersindical Galega fusionieren - der Vorgängerorganisation der heutigen CIG [Confederación Intersindical Galega]. Moncho war als Mitglied des Zentralkomitees und des Exekutivkomitees der UPG einer der Architekten dessen, was die UPG seit 1972 zu sein begann: eine proletarische Organisation, die mit dem Marxismus-Leninismus als Ideologie eine der Motoren der nationalistischen Bewegung in Galizien ist.

Moncho Reboiras war im Rahmen der von der UPG festgelegten politischen Linie Teil einer Gruppe, die sich der Versorgung der Partei mit logistischen Infrastrukturen widmete - mit clandestinen Aktionen gegen die Franco-Diktatur . In diesem Zusammehang führt er ein Kommando, das sich aus einer kleinen Anzahl von Leuten zusammensetzt, die am 23. Februar 1974 mit Waffen der portugiesischen Gruppe LUAR [Liga de Unidade e Ação Revolucionária] ihre Aktivitäten im Süden der Provinz Pontevedra aufnimmt . Die erste Aktion des Kommandos ist der Überfall auf eine Bank in Escairão. Dabei wird Moncho von der spanischen Guardia Civil identifiziert und bleibt eine Weile im Verborgenen, um andere organisatorische Arbeiten der UPG auszuführen.

In der Nacht vom 12. August 1975 richtete die NPS [Brigada Político-Social – die Geheimpolizei des Franco-Regimes] eine Kontrolle in Ferrol im Gebiet Canido ein. Um 2 Uhr morgens umzingelten zahlreiche BPS-Truppen in Begleitung von mehr als 300 bewaffneten Polizeibeamten das Gebäude, in dem Moncho auf er Flucht mit zwei weiteren Militanten, Elvira Souto und Xan Carballo, lebte . Dank der Intervention von Reboiras - dem einzigen, der bewaffnet war - gelang diesen die Flucht. Reboiras schaffte es, der Polizei für etwas mehr als zwei Stunden die Stirn zu bieten und erreichte das Portal der Rua da Terra, wo er in den Rücken geschossen wird und stirbt. Mit diesem Ereignis begann in ganz Galizien eine große Operation, bei der mehrere nationalistische Kämpfer verhaftet und eine beträchtliche Gruppe von UPG-Mitgliedern nach Portugal in Verbannung musste.


Moncho Reboiras wurde nur 25 Jahre alt. Nach wie vor ist sein Werk und Leben in der Auseinandersetzung der linksnationalistischen galizischen Bewegung und für die galizische Gewerkschaften von ernormer Bedeutung. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof seiner Geburtsgemeinde.


Am 12. August 2009, seinem 24. Todestag, erkannte das spanische Justizministerium Xosé Ramón Reboiras Noia offiziell als Opfer von Diktatur, Verfolgung und Gewalt der Franco-Diktatur an und gewährte ihm eine persönliche Anerkennung, die seine institutionelle Rehabilitation darstellt. Die Bescheinigung, aus der hervorgeht, dass "er illegaler Gewalt und Verfolgung ausgesetzt war, die seinen Tod für die Verteidigung der Gewerkschaftsbewegung und seine nationalistische politische Militanz motivierten", stellt eine "moralische Wiedergutmachung" dar, sagte der Regierungsdelegierte, der Sozialist Antón Louro am Tag der Beurkundung. Ohne das Recht auf finanziellen oder wirtschaftlichen Ausgleich ist es "eine Anerkennung der tiefen Überzeugungen, die auf Demokratie und Freiheit beruhen, die Reboiras Engagement bestimmt haben, eine Figur, deren demokratische Prinzipien und Werte aufgrund ihrer Großzügigkeit und ihres Engagements zu den Besten zählen.“
Es war seine Familie, hauptsächlich sein Bruder Manolo - ein Jahr jünger als Moncho und auch eine ehemalige UPG-Führungskraft während des Franco-Regimes -, der beim Justizministerium im Einklang mit dem Gesetz über das historische Gedächtnis die Anerkennungserklärung beantragte und erhielt.