Tabula Rasa gegen UnterstützerInnen von baskischen Gefangenen - 47 Menschen stehen im September vor Gericht


Der Prozess gegen 47 Personen, die mit der Arbeit zur Verteidigung der Rechte von Gefangenen in Verbindung stehen, wird am 16. September 2019 vor dem spanischen Nationalgericht beginnen. Die Staatsanwaltschaft beantragt Haftstrafen von 8 bis 20 Jahren wegen "aktiver Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung", "anhaltender Verherrlichung des Terrorismus" und "Finanzierung des Terrorismus". Insgesamt belaufen sich die geforderten Gefängisstrafen auf 601 Jahre.

Demonstration in Bilbo nach der Operation gegen Herrira im Oktober 2013

Der Prozess gegen 47 Personen aus Euskal Herria steht im Zusammenhang mit den Polizeieinsätzen gegen Herrira, Jaiki Adi, Etxerat, gegen Anwälte und die Mediationsgruppe mit der Gefangenenorganisation EPPK. Nach Angaben der Angeklagten wird das Verfahren mindestens drei Monate dauern.

Verhaftungen im Januar 2015

Jon Enparantza bei seiner Verhaftung 2015

Zu den Angeklagten gehören die im Januar 2015 verhafteten Anwälte Arantza Zulueta, Jon Enparantza, Alfonso Zenon, Kepa Mancisidor, Eukene Jauregi, Ainhoa Baglietto, Arantxa Aparicio, Onintza Ostolaza, Aiert Larrarte, Ane Ituiño, Haizea Ziluaga, Amaia Izko, Jaione Carrera und Atxarte Salvador. Die Guardia Civil hatte am 12. Januar 2015 gegen 7.00 Uhr die Anwälte an verschiedenen Orten von Euskal Herria verhaftet. Das Innenministerium begründete seinerzeit die Festnahme mit dem Vorwurf der "Integration in eine terroristische Organisation" und  "Verbrechen gegen das Finanzministerium". Die AktivistInnen Fran Balda, Jon Mintegiaga, Javier Carballido und Nagore San Martín wurden im Rahmen der selben Aktion der Guardia Civil festgenommen, auch sie werden angeklagt.

Verhaftungen im Januar 2014

Der Oberste Gerichtshof wird auch die in einer Kanzlei in Bilbao am 8. Januar 2014 verhafteten José Luis Campo, Aitziber Sagarminaga, Egoitz López de Lacalle, Aintzane Orkolaga, José Miguel Almandoz und Naia Zuriarrain vor Gericht stellen, die zusammen mit Enparantza und Zulueta an Vermittlungsgesprächen mit der EPPK beteiligt gewesein sein sollen. Um 15.30 Uhr stürmten mehrere Teams von Instituto Armado das Büro von Zulueta in die Elkano-Straße von Bilbao. Mikel Almandoz wurde nach 17:00 Uhr mit Handschellen abgeführt. Mehrere Ertzaintza-Einsatzwgen waren vor Ort und hatten in Polizeiausrüstung das Büro geräumt. Nach 17.30 Uhr griffen sie die sich soldarisch Versammelten vor dem Bürogebäude an und verwundeten einen jungen Mann am Kopf. Darüber hinaus wurde eine Person, die gegen die Verhaftungen protestierte, verhaftet.

Egoitz López de Lacalle's Haus in Atxuri wurde am selben Tag durchsucht. Dort versuchte die Guardia Civil einen Mann anzugreifen, der ihnen für ihre Taten Vorwürfe machte, Dies wurde auch von einem brasilianischen Journalisten dokumentiert, der die Szene drehte und den die Beamten zwingen wollten, die Videos zu löschen und ihn festnehmen wollten. Als sie erkannten, dass es sich um einen Reporter handelte, ließen sie ihn gehen. López de Lacalle ist ein Beschäftigter in der gleichen Unternehmensgruppe, zu der die baskische Zeitung GARA gehört.

Die Aktion der Guardia Civil beinhaltete ebenso die Durchsuchung eines Büros von Jon Enparantza in Hernani, wo sie sich durch Eintreten der Tür Zugang verschafften. Im Stadtteil von Donostia, in Antigou, dem Sitz von Enparatzas Kanzlei, wurde ebenfalls eine Durchsuchung sowie in seinem Büro im Stadtteil von Loiola durchgeführt. In Lekeitio wurde das Haus von Arantza Zulueta durchsucht, in Lasarte das Haus von José Luis Campo und in Burlata das Haus von Mikel Almandoz.

Das spanische Innenministerium hatte damals bis 15.00 Uhr auf seiner Website - obwohl es diese Informationen anschließend für nichtig erklärt hatte - über die Inhaftierung mehrerer Personen in spanischen Baskenland, die mit ETA in Verbindung stehen sollen und über die Räumung mehrerer Immobilien berichtet. Der Beschluss wurde vom Zentralen Instruktionsgericht 6 des Spanischen Nationalgerichts erlassen, dessen Leiter Eloy Velasco ist. In der Mitteilung wurde erklärt, dass die Verhaftungen "während einer organischen Sitzung in einem der Hauptquartiere der Verteidiger der Mitglieder der ETA stattgefunden haben".

Asier Aranguren(links) mit dem Co-Regiesseur von "Asier ETA Biok", Aitor Merino

Am selben Tag wurde Asier Aranguren (mit den selben Beschuldigungen) in Iruñea verhaftet. Aranguren dürfte der aufgeschlossenen Öffentlichkeit durch seine Protagonistenrolle im Dokumentarfilm "Asier eta biok" von Aitor Merino und Amaia Merino aus dem Jahre 2013 bekannt sein.

Alle Verhafteten gehörten zu dem im Juli 2012 von rund zwanzig Personen gebildeten Comité, deren Ziel es war, über Gespräche mit dem Gefangenenkollektiv Euskal Preso Politikoen Kolektiboaren [EPPK] die Haftbedingungen der Gefangenen im Ausland zu erleichtern. Dass damals keine Isolationshaft gegen die Verhafteten verhängt wurde, scheint ein kleiner Trost gewesen zu sein,

Verhaftungen im September 2013

Amaia Esnal, Eneko Ibarguren, Ekain Zubizarreta, Robeto Noval, Ibon Meñika, José Antonio Fernández, Oscar Sanchez, Gorka González, Jon Garai, Sergio Labayen, Manu Ugartemendia, Eneko Villegas, Nagore García, Jesús Mari Aldunberri, Beñat Zarrabeitia, Ane Zelaia, Imanol Karrera sind die Beklagten, die in der Haft genommen wuden während der Razzia gegen die Organisation Herrira Ende September 2013.
Während dieser Polizeiaktion wurden auch Fernando Arburua, Oihana Barrios, Izaskun Abaigar und Nagore López de Luzuriaga verhaftet.

Die Guardia Civil hatte eine Polizeiaktion durchgeführt, die nach damaligen Angaben des spanischen Innenministeriums zu 18 Verhaftungen geführt hatte. Beamte der paramilitärischen Polizeitruppe waren in die Hauptquartiere von Herrira in Hernani, Bilbo, Iruñea und Gasteiz eingedrungen, um ihre mehrstündige Suche durchzuführen. Die Audiencia Nacional hat die Schließung des Hauptsitzes und die Sperrung ihrer Bankkonten angeordnet.
Im Haftbefehl wurden die Tatbestände der "Verherrlichung des Terrorismus", "Integration“ und "Finanzierung der bewaffneten Bande" den Verhafteten vorgeworfen wird. In seinem Vermerk erklärte das Innenministeriumr, dass Herrira "die Organisation nahe der terroristischen Gruppe mit größerer Mobilisierungs- und Aktivierungsfähigkeit" ist und dass "Herrira seit ihrer Gründung auf umfassende und öffentliche Weise die Ziele, Strukturen, Funktionen, Methoden und Verfahren der Finanzierung, Ikonographie und Kommunikation übernommen hat, die in der Vergangenheit Gestoras Pro Amnistía/Askatasuna gespielt haben", Klare Indizien für das Innenministerium.

Im Hauptsitz von Herrira in Hernani, wo ein Treffen stattfand, hatte die Guardia Civil Nagore García, Manu Ugartemendia, Jon Garay, Sergio Labayen, Eneko Villegas, Roberto Noval, Ibon Meñika, José Antonio Fernández, Oscar Sánchez und Jesús Mari Aldunberri verhaftet. In Andoain wurde Ekain Zubizarreta gegen 10.30 Uhr von Gurdia Civil Beamten festgenommen. Zubizarreta wurde im Bezirk Etxeberrieta von Andoain gefangengenommen, als er nach dem Verlassen seines Hauses den Müll deponieren wollte. Imanol Karrera wurde im Stadteil Euskaltegi Zubiarte von Uharte verhaftet, während Amaia Esnal - angeklagt im Fall Bateragune und freigesprochen - in Donostia und Eneko Ibarguren in Azpeitia verhaftet wurde. Ane Zelaia wurde in Gasteiz verhaftet. Beñat Zarrabeitia, Gorka González und Fran Balda vervollständigten die Liste der Gefangenen, so das Innenministerium.

Neben dem Hauptsitz in Hernani ist die Guardia Civil auch in die Räumlichkeiten von Herrira de Bilbo (Arenal), Iruñea (Navarrería) und Gasteiz (Calle Kutxa) eingebrochen. In Bilbo unterlief den Beamten einen Fehler, da sie zuerst in das Hauptquartier von EA (im Obergeschoss) eingedrungen sind und die dortige Tür mit einem Hammer demoliert hatten.

Unterstützt wurde die Guardia Civil von Beamten der Ertzaintza [baskische Polize], was in Hernani zu Spannungsmomenten führte, bei denen von meheren Personen die Personalien festgehalten wurden. In der Nacht war die Stimmung in Hernani angespannt geblieben.

Die Guardia Civil hat den Hauptsitz in Iruñea nach sieben Stunden Durchsuchungstätigkeiten verlassen, selbiges gilt für Gasteiz und bis weit in die Nacht für Bilbo, während in Hernani die Inspektion nach 23.00 Uhr, nach mehr als zwölf Stunden nach dem Einbruch der Uniformen, abgeschlossen wurde. In der Nacht gab es von Seiten der Ertzaintza Anschuldigungen von Gewalttätigkeiten. Hunderte von Menschen versammelten sich vor allen Hauptquartieren, um gegen die Razzia zu protestieren und ihre Unterstützung für Herrira und die Verhafteten zum Ausdruck zu bringen. Der Generalabgeordnete von Gipuzkoa, Martin Garitano, und der Präsident der Vollversammlungen dieses Gebiets, Lohitzune Txarola, hatten in Hernani gesprochen, ebenso wie der Abgeordnete von Amaiur Xabier Mikel Errekondo. Im Parlament von Gasteiz wurde die Angelegenheit von Parlamentariern von EH Bildu zur Sprache gebracht.

Nach Angaben des Innenministeriums hatte die Audencia Nacional die Versiegelung der einzelnen Büros sowie die Schließung von 32 Twitter-Profilen, 125 Facebook-Profilen und 38 Websites angeordnet und die von Herrira verwendeten Bankkonten gesperrt.

Hohe Haftstrafen gefordert

Fran Balda steht vor der schwersten Strafe, mit einer gesamten Anklageforderung von 20,5 Jahren. Die Staatsanwaltschaft argumentiert die Anklage wegen angeblicher "aktiver Beteiligung an einer terroristischen Organisation" (11 Jahre), "anhaltender Verherrlichung des Terrorismus" (zwei Jahre und sechs Monate), "Finanzierung des Terrorismus" (sechs Jahre) und "Verletzung der Vorsichtsmaßnahme" (11 Monate). Es folgen Javier Carballido und Nagore San Martín, die mit 17-jährigen Anträgen konfrontiert sind, 11 für "aktive Beteiligung" und sechs für "Finanzierung des Terrorismus". Für die übrigen Beklagten reichen die Anträge von 8 bis 15 Jahren.

"In all diesen Jahren war uns bewusst, dass wir jederzeit vor einem Prozess stehen würden. Diese Situation hat unser Leben und auch das unseres engsten Kreises geprägt", bemerkten die Angeklagten in einer Notiz. "Mobilisierungen zugunsten der Rechte der baskischen politischen Gefangenen zu organisieren, sich um die Gesundheit der Gefangenen zu kümmern, sie vor Gericht zu verteidigen, Vermittlungen durchzuführen, Verwandte von Gefangenen zu sein und uns zu organisieren, um der dispersión [die spanische Justiz inhaftiert baskische politische Gefangene entgegen geltendem Recht heimatfern] Zerstreuung zu begegnen. Das waren die Aufgaben, die wir erfüllt haben, und das sind die Fakten, die beurteilt werden sollen", fügen sie hinzu.

Sie sind der Ansicht, dass dieser neue Prozess "eine juristische und soziale Verirrung ist, die in den Kanalisationen des Staates geboren wurde". So haben sie die geleistete Arbeit verteidigt. "Sie hatte klare Ziele: die Achtung der Rechte der Gefangenen, um eine Situation des Friedens und der Gerechtigkeit in Euskal Herria zu konsolidieren".

Ebenso haben sie die aktuelle Situation der baskischen politischen Gefangenen in der "schrecklichen Involution", die sich überall auf der Welt abspielt, dargestellt. In diesem Zusammenhang wurden die Fälle von Altsasu und Katalonien erwähnt. "Wir werden nicht unbeweglich bleiben. Wir werden die Ungerechtigkeit dieses Prozesses anprangern, wo und wann immer es nötig ist". In ähnlicher Weise haben sie ihr Engagement für "ein Euskal Herria ohne jegliche Form von Gewalt" bekräftigt.

[als Quellen für diese Zusammenfassung dienten u.a. Berichte aus NAIZ]