Korrika - Ein Volkslauf für die baskische Sprache

Korrika ist ein baskischer Volkslauf – ein Rennen für die baskische Sprache - der alle zwei Jahre stattfindet. Der Volkslauf verfolgt zwei zentrale Ziele: Einerseits die Sensibilisierung für die Notwendigkeit, Baskisch zu sprechen, und andererseits Mittel aufzubringen, die es den baskischen AEK-Sprachschulen ermöglichen, ihre Unterrichtsarbeit fortzusetzen.
Organisiert wir Korrika von AEK [Alfabetatze Euskalduntze Koordinakundea]. AEK ist die wichtigste Vereinigung im baskischen Erwachsenenbildungssektor und die einzige, deren Tätigkeit sich über das Baskenland hinweg über Verwaltungsgrenzen hinweg erstreckt. AEK hat über hundert Zentren (Euskaltegi und Gau Eskola), in denen etwa 600 Trainer unterrichten.

Die ersten baskischen Alphabetisierungsgruppen wurden um 1965 gegründet, als die erste Kampagne zur Wiedererlangung der baskischen Sprache gestartet wurde. Als immer mehr Gruppen Gestalt annahmen und gleichzeitig ihre Arbeit auf diesem Gebiet fortsetzten, begann auch AEK, den Unterricht für Menschen zu fördern, die am Erlernen der Sprache interessiert sind. Diese heute unveränderte Mission führte mit Unterstützung und UnterstützerInnen von Euskaltzaindia (Akademie der baskischen Sprache) zur Gründung der ersten Abendschulen oder Gau-Eskolak, gefolgt von den Euskaltegis oder baskischen Sprachschulen.

Bei der öffentlichen Finanzierung erhalten die Euskaltegis jedoch immer noch nicht die Finanzierung, die sie benötigen. In der Autonomen Baskischen Gemeinschaft ist die Situation noch nicht geregelt, obwohl Fortschritte erzielt wurden. Im französischen Baskenland (Iparralde) haben die Subventionen zugenommen, jedoch nicht in dem Maße, wie dies für den Baskischunterricht für Erwachsene erforderlich ist. In Nafarroa (Navarra) waren die Schritte, obwohl die dunkelsten Jahre zu Ende gegangen sind, bisher gering.

Heute ist AEK mit über 100 Schulen und mehr als 500 Lehrern eine der wichtigsten Organisationen auf dem Gebiet des Unterrichts der baskischen Sprache und ihrer Alphabetisierung für Erwachsene. Sie bietet Unterstützung bei der Ausarbeitung von Plänen zur Einführung der Sprache und von Programmen zur Förderung ihrer Verwendung . AEK bietet auch einen Übersetzungs- und Korrekturdienst an und veröffentlicht die Zeitschrift AIZU!

Um die Ziele der Organisation zu erreichen, werden Erwachsene in baskischer Sprache und Alphabetisierung unterrichtet sowie in anderen Bereichen wie der Erforschung und Veröffentlichung von Lehrmaterial, der Lehrerausbildung, der Organisation kultureller Aktivitäten und Programme zur Förderung der Anwendung von Euskara [baskische Sprache], des Entwurfs und der Umsetzung von Plänen für die regelmäßige Einführung des Unterrichts in Unternehmen und Institutionen und der Bewegung eine Stimme zu verleien über das veranstalten von Sensibilisierungskampagnen – wie eben Korrika.

Klika, Klika! Klika, Korrika!

Seit dem ersten Korrika-Lauf im Jahr 1980 von Oñati nach Bilbao ist die Veranstaltung angesichts der enormen Anzahl von TeilnehmerInnen zu einer der wichtigsten Initiativen zur Unterstützung der baskischen Sprache geworden. In den letzten 39 Jahren gab es 20 Korrika-Volksläufe. Schätzungen zufolge lbelaufen sich die Teilnhemerzahlen der LäuferInnen in früheren Korrika-Veranstaltungen mehrere Hunderttausende. Diese hohe Zahl und die enorme Bewegung, die sich aus der Initiative ergibt, spiegeln in vollem Umfang das Ausmaß der Verpflichtung der baskischen Gesellschaft für ihre Sprache wider. Korrika ist zu einer Veranstaltung geworden, die alle zwei Jahre die gesamte baskische Gesellschaft in Schwung bringt. Durch die Teilnahme an den in den verschiedenen Dörfern und Vierteln eingesetzten Komitees steigt die Teilnahme an jedem Korrika-Lauf, und Tausende von Menschen engagieren sich freiwillig in ihrer Organisation, während Hunderte von kulturellen und unterhaltsamen Aktivitäten auf dem Weg organisiert werden. Während des Laufs tragen die TeilnehmerInnen einen Staffelstab, den sie Kilometer für Kilometer von Hand zu Hand übergeben. Im Staffelstab befindet sich eine Nachricht, die erst am Ende des Laufs offenbart wird, wenn sie vorgelesen wird.

Am 4. April 2019 startet der 21. Volkslauf in Gares. Der diesjährige Tross der TeilnehmerInnen wird am 14. April in Gasteiz bei einer Abschlussparty sein Ende finden.
In elf Tagen werden Non-Stop mehr als 2.000 km für die baskische Sprache gelaufen.


Der diesjährige Korrika ist auch eine Homeage an  José Luis Álvarez Enparantza, besser bekannt unter seinem Pseudonym Txillardegi. Txillardegi war ein baskischer Linguist, Politiker und Schriftsteller, der 1929 in Donostia [San Sebastián] geboren wurde. Als Mitglied der EKIN-Fraktion war er 1959 Mitbegründer von ETA, verließ die Organisation jedoch wieder im Jahre 1967. Nach dem Tode Francos kehrte er 1976 ins spanische Baskenland zurück und widmete sich hauptsächich der Förderung der baskischen Sprache. Als Mitbegründer der Partei Partido Socialista Vasco (ESB-PSV) war er  auch 1978 einer der Aktiven bei der Gründung der Koalition Herri Batasuna.

Für viele Menschen zählt er zu den Schlüsselfiguren des Generationsbruchs, der nach dem spanischen Bürgerkrieg in Euskal Herria stattfand. In diesen schwierigen Zeiten - mit dem Diktat der Tradition brechend - entstand ein neues Gedankengut, das die Bereiche Politik, Kultur, Philosophie und Religion aufnahm. Txillardegi ging es vor allem darum, dass die Menschen ihre Sprache benötigten und dass die baskische Sprache das wichtigste Symbol des Landes ist. Er plädierte viele Jahre für die Notwendigkeit, eine einheitliche Sprache für den Einsatz auf höchstem Niveau zu schaffen. 1957 wurde er als korrespondierendes Mitglied von Euskaltzaindia, der Akademie der baskischen Sprache, ernannt, wurde jedoch nie Vollmitglied, obwohl er mehr als ein baskischer Gelehrter war. Im Oktober 1964 rief er baskische Schriftsteller und Lehrer zu einem offenen Treffen zusammen, um ihre Meinungen zu hören. Ein Jahr später veröffentlichte er einen Bericht über die bei diesem Treffen getroffenen Entscheidungen. Dieser Bericht war der wichtigste Präzedenzfall für den 1968 von der Versammlung von Arantzazu erstellten Bericht, der als Gründungsdokument der Förderung des Baskischen darstellt.


Es ist den VeranstalterInnen wichtig, den Baskischunterricht für Erwachsene, der so dringend benötigt wird, zu beschleunigen und größere Investitionen zu tätigen. Deshalb werden alle für die 21.Korrika gesammelten Mittel für die Unterstützung der AEK-Sprachzentren verwendet.