STEILAS - eine baskische Gewerkschaft für Beschäftige im Lehrsektor
Der Gründungsprozess der baskischen Gewerkschaft im Bildungssektor
STEILAS fand in der 70er Jahren des letzten Jahrhunderts statt.
In diesen
Jahren gab es eine starke Bewegung der Lehrkräfte in verschiedenen Sektoren im spanischen Staatsgebiet.
Die Entstehung der STE-Gewerkschaftsbewegung (STE = Sindicato
de Trabajadores de la Enseñanza) im spanischen Staat muss mit dem
lebendigen gesellschaftspolitischen Szenario der Transición in Zusammenhang
gebracht werden, welches von der Entstehung einer Bewegung von einheitlichen,
partizipativen und versammelten LehrerInnen-Vereinigungen gekennzeichnet war.
Ein Organisationsprozess, der umso notwendiger war, wenn man den Kontext einer
absehbaren Reform des Franco-Regimes berücksichtigte, die zur Einführung eines
Systems der gewerkschaftlichen Vertretung im Unterricht führen würde. Diese
Erkenntnis erklärt eine aufkommende Dynamik aus der Basis, die als Grundlage für
einen langsamen Prozess der Konvergenz verschiedener territorialer Strukturen
einerseits und sektoraler Strukturen (Berufsausbildung oder auch
Universität) andererseits auf baskischer Ebene, aber in engem Zusammenhang mit
ähnlichen Konvergenzprozessen auf staatlicher Ebene, vorhanden war.
Seit Mitte der 70er Jahre wurden die ersten Schritte dieses
selbstorganisierenden Prozesses beobachtet, mit dem Beginn der Kontakte
zwischen Fachleuten aus den verschiedenen Bereichen des Bildungswesens, die mit
der Forderung nach einem Lehrerstreik in Euskadi und Galicien Ende Januar 1976,
zu dem bald auch der Rest der Staatsgemeinschaften hinzukam und der bis Ende
Februar dauerte, Früchte trug. Diese Mobilisierung, die die
Reaktionsfähigkeit der Arbeitskräfte im Bildungsbereich widerspiegelt, diente
als Anreiz für einen Konvergenzprozess zwischen verschiedenen STE-Koordinatoren,
die bis dahin schwach vernetzt waren.
Aus diesen Bewegungen entstand im südlichen Baskenland das
STEE-EILAS-Syndikat, mit einem Doppelnamen auf Spanisch und Baskisch: Sindicato
de Trabajadores de la Enseñanza de Euskadi (STEE) und Euskadiko Irakaskuntzako
LAngileen Sindikatua (EILAS). In der Praxis wurde der Name des Syndikats immer
auf Baskisch und Spanisch verwendet: STEE-EILAS (Gewerkschaft für die
Arbeitenden im Unterrichtssektors des Baskenland).
Serrano Olmedo erinnerte sich im Jahr 2003: „Die Umsetzung
unserer Bewegung war durch drei Elemente gekennzeichnet: die Praxis der
Versammlung, die Suche nach Einheit und die Ausarbeitung von Alternativen zur
Verbesserung des Unterrichts. Wir wurden vor den offiziellen Vertikalismus- und
Unternehmensorganisationen geboren; wir wurden geboren, als Teil der
Arbeiterklasse und damit als Erben und Fortsetzer eines Gewerkschaftsgedankens,
der im francistischen Aufstand massakriert wurde. Wir wurden mit einer
ausgeprägten einheitlichen Tendenz im Bildungssektor geboren und geprägt, im
Gegensatz zu unseren KollegInnen, die es vorzogen, die Bildungsverbände anderer
Gewerkschaften zu bilden. Die radikale Ablehnung der Diktatur und ihrer
Schule als Teil der Ideologie der Gründer der STEs führte dazu, dass nach
vielen langen Diskussionen eine Alternative im Unterrichtsstil erarbeitet wurde.“
Der Strukturierungsprozess der verschiedenen Organisationen
der Provinzialsektoren im Baskenland und in Navarra spiegelte sich in den "Estatutos del Sindicato de Trabajadores de la enseñanza de Bizkaia -
sector de enseñanza privada" (Statuten der Bizkaia Bildungsarbeitergewerkschaft
- privater Bildungssektor) von 1977 wider. Dort wurden demokratische, organisatorische
und einheitliche Merkmale festgelegt, wie z.B. dass die Gewerkschaft
"allen ArbeitnehmerInnenn unabhängig von ihrer politischen, religiösen,
gewerkschaftlichen oder philosophischen Meinung" offen steht; mit einer
Unabhängigkeit vom Staat, von politischen Parteien und Arbeitgebern; in
Solidarität "mit den anderen ArbeitnehmeInnen Euskal Herrias, des Staates
und der ganzen Welt". Als Ziele wurden die Verteidigung der Rechte der
Bildungsbeschäftigten, ihre Beteiligung an der Bildung "zusammen mit den
anderen sozialen Sektoren, die an der Ausarbeitung und Anwendung der
Bildungspolitik im Baskenland beteiligt sind", die Verwirklichung einer
"kostenlosen, obligatorischen und demokratischen, wissenschaftlichen und
qualitativ hochwertigen Bildung für alle Bürger, die vom Staat finanziert
wird", definiert.
Nach diesen Grundsätzen wurden in den ersten Monaten des
Jahres 1977 die STEs der verschiedenen Sektoren in jeder der vier baskischen
Provinzen schrittweise zusammengeführt, bis Ende 1977 der provisorische
nationale Koordinator und das provisorische nationale Sekretariat des Verbandes
der Lehrergewerkschaften von Euskadi gebildet wurden, zu deren Befugnissen die
Organisation eines Gründungskongresses 1977 gehörte.
In den Schriften von STEE-EILAS findet sich von den ersten
Veröffentlichungen eine Positionierung zum „baskischen Differentialrahmens“.
Wurde zunächst eine Unterstützung des gesetzlichen Prozesses konkretisiert, nahm
dieser im Laufe der 90er Jahre eine entscheidende Wendung zum Souveränitätsgedanken
hin. In diesem Sinne ist hervorzuheben, dass die Militanz und Ausrichtung, die
STEE-EILAS gebildet hatte, die Postulate bestimmter baskischer Politikbereiche
annimmt, die die Klassenkomponente gegenüber der nationalen priorisierten. Dies
erfolgte in der Praxis in Form einer spezifischen Organisationsstruktur für
Euskadi und Navarroa, aber eng mit anderen linken und internationalistischen
Staatsorganisationen verbunden. Diese Ausrichtung versetzte STEE-EILAS in ihren
Ursprüngen in eine Zwischenposition gegenüber anderen Organisationen, die wie
ELA und LAB einerseits nur den baskischen gewerkschaftlichen Rahmen übernahmen,
und andererseits gegenüber anderen, die, wie UGT und CCOO, ihre staatliche
Strategie priorisieren.
Der erste konföderale Kongress 1977 war der konstituierende
Kongress von STEE-EILAS; darin konnte ein Weg des Kampfes gegen die Ideen des
sektorialistischen und provinzialistischen Typs einschlagen werden, um sich als
nationale Gewerkschaft zu konfigurieren. Mit dem ersten Kongress trat der
Verbund als eine alternative demokratische Einheitsgewerkschaft, eine Versammlungsplattform
der Klasse für die ArbeiterInnen der Lehrbeschäftigung von Euskadi, auf.
Der Ablauf des zweiten Kongresses in 1979 spiegelte das Vorhandensein interner Spannungen wider, die sich aus der Teilnahme an
staatlichen Strukturen ergaben. Diese Spannungen zwangen zu einem
Gleichgewichtsspiel, das sich in den Statuten widerspiegelte. So definierte
Artikel 3 einerseits die Provinzen Araba, Gipuzkoa, Bizkaia und Navarroa als
territorialen Geltungsbereich; in Artikel 7.d wurde STEE-EILAS als
"nationale Gewerkschaft" bezeichnet. STEE-EILAS verschrieb sich der
Anerkennung des nationalen Rechts von Euskadi, welches für die für Selbstverwaltung kämpft.
Es herrschte das Verständnis, dass dieser Kampf mit den wirtschaftlichen und
sozialen Anforderungen der Arbeiter verbunden ist.
Das Papier "Gewerkschaftsalternative" betonte
ausdrücklich, dass das Engagement für die Anerkennung der nationalen und
demokratischen Rechte von Euskadi neben der sprachlichen Normalisierung von
Euskara "eine echte Autonomie mit realen Befugnissen und unter
Einbeziehung von Navarroa" beinhaltet und forderte "die Anerkennung des
Rechts auf Selbstverwaltung für Euskadi". In dem Maße, in dem STEE-EILAS
sich der "Stärkung der Bindungen der Einheit und Solidarität mit den
Völkern der Nationalitäten, Länder und Regionen des gesamten Staates"
verpflichtet fühlte, ist es verständlich, dass Artikel 6 seiner Satzung
vorsieht, dass diese Union "mit Organisationen gleichen Zeichens auf
staatlicher Ebene vereinigt wird".
Dieser Kongress diente nicht nur dazu, die Ziele und
Organisationsformen zu definieren, sondern für STEE-EILAS auch dazu, ihr
Engagement für ein Lehrmodell deutlich zu machen, das auf der Bildungsautonomie
der baskischen öffentlichen Schule basiert, "die auf der soziokulturellen
und politischen Realität des südlichen Baskenlandes reagieren und gleichzeitig
von den ArbeiterInnenn und dem baskischen Volk verwaltet werden muss".
Insbesondere stützte sich ihr Engagement für die
demokratische Verwaltung der Bildung auf den Vorschlag zur Schaffung eines
Schulrates des Baskenlandes, der "alles, was mit dem Unterricht zu tun
hat, leiten" und "das Organ der Beteiligung und Kontrolle der mit dem
Unterricht verbundenen Bereiche sein sollte". Ein Vorschlag für ein
partizipatives Management wurde erarbeitet, den STEE-EILAS auf Provinz-,
Kreis-, Gemeinde- oder sogar Nachbarschaftsebene ausdehnte, "wenn die für
die Nachbarschaft notwendigen Schulleistungen zahlreich genug sind".
STEE-EILAS behielt im Laufe der Zeit ihre ideologischen
Prinzipien und ihre Definition als nationale Gewerkschaft bei. Diese
Charakterisierung hatte sich jedoch in der Verwirklichung der
"Souveränität von Euskal Herria" weiterentwickelt. Die klare
souveräne Position geht einher mit einer gewissen Distanz zu den übrigen STEs
des Staates, mit denen STEE-EILAS rund 30 Jahre nach der Gründung nicht Teil des
Staatsverbandes der STEs war. Diese neue Charakterisierung fand ihren
Ausgangspunkt in der Strategie der Zusammenarbeit mit ESK, ELA und LAB, die die
Gewerkschaft seit 1996 verfolgte.
STEE-EILAS hat sich auch an
Initiativen zur Lösung des politischen Konflikts beteiligt, wie der
Unterzeichnung des Abkommens Lizarra-Garazi und des demokratischen
Abkommens der Basis, das vom Nationalen Debattenforum - Eztabaidagunea -
gefördert wurde. STEE-EILAS war in diesem Zusammenhang der Ansicht, dass
"Euskal Herria das Recht hat, den rechtlichen und politischen Rahmen zu
wählen, den sie als Volk oder Nation betrachtet". Für
STEE-EILAS war die Grundlage dieses Rechts nicht so sehr in historischen,
kulturellen oder sprachlichen Angelegenheiten zu sehen, sondern im einfachen
demokratischen Willen der baskischen BürgerInnen. STEE-EILAS setzte auf die
Anerkennung des Rechts auf Selbstbestimmung als Form der Konkretisierung ihrer
Souveränitätsstrategie unter Wahrung der baskischen Pluralität, da "die
unterschiedlichen Situationen unseres Volkes nicht ignoriert werden
können", und, angesichts des von der offiziellen abertzalen Linken
verteidigten Modells, vertraten sie der Ansicht, dass "die demokratischen Rechte
nicht vertieft werden können, wenn diese Vertiefung gleichzeitig nicht von der
Achtung der Wünsche der Mehrheit der Menschen in jedem der Gebiete unterstützt
wird". Gleichzeitig setzte sich die Gewerkschaft für die Anerkennung nicht
nur der kollektiven Rechte, sondern auch der individuellen Rechte ein, was in
einer klaren Ablehnung der Gewalt der ETA zum Ausdruck kam. Gleichzeitig
erklärt STEE-EILAS klar und deutlich eine kategorische Ablehnung neoliberaler
Strategien im Einklang mit den Postulaten von LAB und ELA. Es ist daher
verständlich, dass STEE-EILAS im gegenseitigen Einvernehmen mit diesen
Organisationen in einer Aktionseinheit arbeitete, die in Streikaufrufen
konkretisiert wurden. Darüber hinaus war die Gewerkschaft in verschiedenen
sozialen Dynamiken präsent, nahm an internationalistischen Bewegungen teil und
kämpfte gegen soziale Ausgrenzung.
![]() |
| Gemeinsamer Aufruf von STEILAS, LAB und ELA am 23. November 2017 zur Mobilisierung an den Schulen |
Im 21. Jahrhundert wurde die Doppelbezeichnung STEE-EILAS zu
STEILAS verkürzt, die politische Ausrichtung blieb die selbe. So setzt STEILAS
auch heute noch den Schwerpunkt auf den Kampf für ein eigenes öffentliches
Bildungssystem, das auf der Förderung von Pluralität, Gleichheit, Kompensation,
Solidarität und Koedukation als Grundlage für eine Bildung "im Dienste der
Gesellschaft" basiert. Konkret engagiert sie sich für die
Euskaldunisierung der Gesellschaft; für die Verwirklichung eines eigenen
Lehrplans, der an die Erwartungen und Bedürfnisse der baskischen Gesellschaft
angepasst ist; für ein weltliches Lehrmodell; für die Organisation des
Bildungssystems und seiner Zentren durch ein Netzwerksystem; für den
Zusammenhalt des gesamten Bildungssystems auf der Grundlage einer Logik, die
auf der Strukturierung autonomer Zentren beruht; für die Erneuerung von
Inhalten, die auf sozialen Anforderungen und Bedürfnissen in einem kohärenten
Schlüssel beruhen; und für die Ausbildung, damit alle beteiligten Akteure an
der Definition und Verwaltung von Bildung auf den verschiedenen Ebenen
teilnehmen können.
![]() |
| Fest mit dir in öffentlicher Hand |
STEILAS meint, dass die Konflikte des Baskenlandes auf
historischen Grundlagen mit politischem Charakter basieren und eine Lösung der
Diskriminierung über einen beispiellosen Dialog basierend erfolgen kann. Ihrer
Ansicht nach bilden die Verteidigung der Menschenrechte für alle, die Ablehnung
von Gewalt und der demokratische Wille der baskischen Gesellschaft den Schlüssel
zum Erreichen von Frieden und politischer Normalisierung.
Als Lehrergewerkschaft verteidigt sie die Rechte und
Arbeitsbedingungen der ArbeitnehmerInnen, die in diesen Sektoren beschäftigt
sind. Sie kämpft gegen Prekarität, für Beschäftigungsstabilität, ist für
Arbeitsverteilungsmaßnahmen und Unterstützung für gesundes Arbeiten, wobei die
Gleichbehandlung von ArbeitnehmerInnen ein vorrangiges Thema ihrer
Tätigkeit darstellt. Grundeinkommen, Wohlstandsverteilung, angemessenes
Wohnen, ein Pflegesystem mit nachhaltiger Entwicklung stehen ebenso auf der
Agenda der Gewerkschaft.
Diese Themanvielfalt wird laut STEILAS immer wichtiger, da jedes Jahr
Tausende von EinwanderInnen ins Baskenland kommen. Laut STEILAS lohnt sich dieses
Phänomen für beide Seiten. Aus diesem Grund muss die Schule eine Vielzahl von
Dingen gewährleisten: Förderung der Chancengleichheit gegenüber
Ursprungsunterschieden; Ausgleich der Unterschiede, die sich aus persönlichen
oder sozialen Gründen ergeben, um Segregation zu vermeiden; um Solidarität zu fördern
und nicht Individualismus; Zusammenarbeit und Teamwork angesichts von
Wettbewerbsfähigkeit; Koexistenz und Nicht-Sexismus und letztendlich die
ganzheitliche Entwicklung kritischer Menschen.
Die Gewerkschaft STEILAS umfasst heute ArbeiterInnen verschiedener
Bildungsniveaus im südlichen Baskenland (Hegoalde), Lehrer, pädagogische
Unterstützungs- und Servicemitarbeiter, vom Kindergarten bis zur Universität.
„Wir sind so und wir mögen das“ - STEILAS
STEILAS Facebook
STEILAS Twitter






